26.03.04 15:38 Age: 13 yrs

Die Marke und ihr Zeichen

Category: press monitoring

By: alm

«Basler Zeitung» (Basler Agenda Nr. 12, 25.3.2004)

Wie viel Markenschutz, wie viel zertifizierte Originalität braucht Kunst auf dem freien Markt? Das hochgestellte R im Kreis, das alle Ausstellungs- und Werktitel der Künstlergruppe Protoplast zur eingetragenen Ware macht, sagt schon viel über die (liberale?) Haltung des Trios aus: Die Produkte, die die Protoplastiker in strategisch klug gewählten Intervallen der Öffentlichkeit präsentieren, schielen auf den «gigantischen Markt emotionaler und mentaler Bedürfnisse» - was nichts anderes bedeutet, als dass die Nachfrage durch eine forcierte emotionale Aufwertung des Produkts angekurbelt wird - nach allen Regeln der Kunst.

Als «Kunstfirma» bezeichnet sich denn auch die 1990 gegründete «Aktionsgesellschaft», die drei Mitarbeiter aus Deutschland und der Schweiz beschäftigt. Bisher sind die Protoplastiker mit 18 imaginären Produkten in Erscheinung getreten, die im Ausstellungsbetrieb ebenso wie auf der eigenen Homepage gehandelt werden. Nicht selten sind sie Ware und Werbung, Marke und Zeichen zugleich: «Bobo®» gibt es als Plakat, «Light®»als Einkaufstasche, «Tinguely®» als Verpackungskarton, «Index®» als Anlagepapier.

Im Kunstraum Riehen lancieren die dynamischen Designer nun drei handels(un)übliche Objekte, die in keinem Haushalt für «existenzielle Grenzerfahrung» fehlen dürfen: Den Staubsauger «Sphera+®», die Fernbedienung «Universel®» und die Stablampe «Energizer®».